Schachklub Marktoberdorf e.V.

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75 Jahre Schachklub Marktoberdorf - ein Großmeister zum Anfassen

22.11.2022

Mit dem Revue-passieren-Lassen der siebeneinhalb Jahrzehnte seit der Vereinsgründung gaben die beiden Vorsitzenden Johann Fischer und Martin Ruprecht einen kurzen Abriss über die Geschehnisse der Vergangenheit. Grundpfeiler seien die gut funktionierende Organisationsarbeit und vor allen Dingen die seit über fünfzig Jahre gut strukturierte Jugendarbeit gewesen: Über Werner Gottstein, und Willi Hörmann bis hin zu den jetzt aktiven Nachwuchsförderern Florian Nusser, Moritz Jankowski und Hans Brugger. Dann konnte den Gedanken auf den zahlreichen Schachbrettern freier Lauf gelassen werden.

Zunächst zog der größte Großmeister der Welt, Sebastian Siebrecht, jedoch die Jüngsten in seinen Bann. Doch auch die mitanwesenden Eltern, die ihren Nachwuchs oft nur unterstützen, aber nicht wirklich fachlich zur Seite stehen können, durften der „Faszination Schach“ – so die Kampagne des sympathischen deutschen Ausnahmespielers aus Essen – zuhören, um ihr Verständnis für die kindlichen Gedanken noch mehr zu fördern. Geradeaus, schräg, vor und zurück, manchmal mehrere Felder hintereinander oder nur ganz kurz, besonders aber der eigenartige Springer mit seinem eigenwilligen Rösselsprung wurden im Schnelldurchlauf, aber durchaus verständlich, allen Zuhörenden auf einprägsame Weise nah oder noch näher gebracht.

Dann konnte es auch für die vielen Erwachsenen, die teilweise aus dem ganzen Allgäu angereist waren, beim so genannten „Simultanschach“ endlich losgehen. Hier war der internationale Titelträger ganz schön gefragt. Denn auf 25 Brettern gleichzeitig antretend, musste er nach nur kurzem Nachdenken immer den besten Zug finden, drei Stunden lang und das gegen beachtliche Konkurrenz aus den Marktoberdorfer Reihen. Oft war der Großmeister seinen Allgäuer Gegenübern natürlich einen Zug voraus. Und so gingen auch erwartungsgemäß die Spiele des Nachwuchses als erstes zu Ende, während das Oberdorfer Seniorenschach erfreulicherweise bis ins Endspiel standhielt und erst dann klein beigeben musste.

Aber Moritz Osterrieder aus Obergünzburg vereinfachte so lange die Stellung bis ein Remis auf dem Brett stand; und auch der Kampf der stärksten Bidinger Schachspielerin, Gudrun Hodek, endete ohne einen Gewinner. Siege gab es dagegen für vier Spieler aus der ersten Mannschaft. Roland Wagner ließ den großmeisterlichen Angriff ins Leere laufen, ehe er selbst zum Gegenschlag ausholte. „Am Anfang hat er mich ganz schön unter Druck gesetzt“, so der Nesselwanger, der seit rund vierzig Jahren Mitglied im Verein ist. „Doch dann erspähte ich eine Chance, ein Loch in seiner Stellung, das ich glücklicherweise ausnutzen konnte“. Dr. Patrick Stiller ließ sich trotz der Übertragung seiner Partie auf eine Leinwand nicht aus der Ruhe bringen. „Das Opfer in der Eröffnung, um meinen Königsflügel zu schwächen, sah zwar gefährlich aus, doch ich hatte genügend Reserven“ meinte der Kardiologe am Ende erleichtert und widerlegte letztlich das zu offensive Spiel von Siebrecht. Martin Ruprecht zauberte in geschlossener Stellung einen nicht erwarteten Zug aufs Brett, „aber es war außerordentlich schwierig, seine Verteidigungslinien zu durchbrechen. Am Ende war es nur ein Bauer, der das Spiel entschied.“ Bei Heiko Pensold standen beide Könige im Freien, „Solche Positionen gefallen mir, wenn alles ganz offen ist und ich angreifen kann. Aber als letzter verbleibender Spieler musste ich natürlich aufpassen, um nicht selbst in eine Falle zu laufen – denn er konnte sich voll auf mich konzentrieren.“ Doch der Einheimische war zuerst am Zug und drängte die großmeisterliche Majestät mit seinem Übergewicht an Figurengewalt zum Rand und damit ins Verderben.

Mit „Schlag den Großmeister“ bewies der deutsche Schachbotschafter aber eindrucksvoll, dass er auf Augenhöhe – also Mann gegen Mann – eine Klasse für sich und ihm ohne Handicap nicht beizukommen ist. Mehrere Kostproben beim Blitzschach bewiesen dies eindrucksvoll. Mit einem taktischen Geschenk für Brettstrategen verabschiedete er sich bei den Marktoberdorfern im Gasthaus Voglerwirt in Leuter…schach.

Neben den schachlichen Aktivitäten stand bei diesem Jubiläum aber auch das Zwischenmenschliche im Mittelpunkt. Viele der nicht mehr aktiven Schachspieler nutzten die Gelegenheit, um untereinander alte Zeiten und bestehende Beziehungen aufleben zu lassen. Einer, der dabei sicher auch viel zu erzählen gehabt hätte, wäre Willi Hörmann, der heuer verstorbene Ehrenpräsident, gewesen. Doch auch unter der jetzigen Führung des Vereins werden seine Ideen und die seiner lebenden Vorsitzendenkollegen – Max Brugger, Gerolf Gampe und Friedrich Pfanzelt – in Marktoberdorf weitergetragen: Im Jugend-, Damen-, Senioren- und natürlich im Erwachsenenbetrieb. Das nächste Vierteljahrhundert bis zum nächsten großen Jubiläum lässt sich dank einer gesunden Basis auf jeden Fall optimistisch angehen.

Wer sich auch von der „Faszination Schach“ anstecken lassen möchte, ist jeden Freitagabend im Haus der Arbeiterwohlfahrt (Salzstraße 10) herzlich willkommen: Ab 18 Uhr der Nachwuchs und ab 20 Uhr die Erwachsenen. Info beim Ersten Vorsitzenden, Johann Fischer, Tel. 08342 2641.

 
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